Pünktlich zum Schulstart legt der LCH die Ergebnisse seiner neusten Umfrage vor. Laut NZZ hielten «die Hälfte der Schweizer Lehrerinnen und Lehrer das inklusive Modell für gescheitert, weil es sie überlaste – und die Schüler und Schüler schlechter mache». Die FSS stellt jedoch fest, dass sich die Umfragewerte aus Basel-Stadt von denjenigen aus der restlichen Schweiz deutlich unterscheiden.
Im März 2026 führte das Institut gfs.bern im Auftrag des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz (LCH) eine Studie unter dem Titel «Inklusionsorientierte Schule zwischen Anspruch und Realität» durch. Bei der Online-Befragung nahmen 10’394 LCH-Aktivmitglieder der Zyklen 1 bis 3 teil, davon 614 aus dem Kanton Basel-Stadt.
Die Haltung der LCH-Mitglieder schweizweit war gespalten: 50 Prozent standen der inklusionsorientierten Schule sehr oder eher positiv gegenüber, 49 Prozent beurteilten sie eher oder sehr kritisch. In Basel-Stadt fiel die Einschätzung etwas weniger skeptisch aus: 59 Prozent waren vorwiegend positiv und «nur» 39 Prozent kritisch eingestellt.

Generell positiver äusserten sich schulische Heilpädagoginnen und Heilpädagogen sowie Schulleitungen und therapeutisches Fachpersonal. Deutlich kritischer fielen die Umfragewerte bei den Lehrpersonen aus. Dies war sowohl bei den Resultaten aus Basel-Stadt als auch der restlichen Schweiz gleichermassen der Fall. Aus Sicht der FSS weist das darauf hin, dass die Aufteilung von Verantwortlichkeiten und Belastungen innerhalb des integrativen Schulsystems ungleich empfunden wird und noch nicht optimal austariert ist.
UNTERSCHIEDE JE NACH SCHULSTUFE
Besonders auf der Sekundarstufe 1 waren die LCH-Mitglieder kritisch eingestellt (56 Prozent). In Basel-Stadt lag der Wert (42 Prozent) zwar tiefer, aber ebenfalls über dem kantonalen Durchschnitt. Aus Sicht der FSS braucht es darum auch für die Sek 1-Stufe dringend ein Massnahmenpaket mit rasch wirksamen Verbesserungen.
Überraschend kritisch eingestellt fielen auch die Umfrage-Ergebnisse zur Haltung in der Kindergartenstufe Basel-Stadt aus: satte 40 Prozent waren hier skeptisch eingestellt, was fast identisch mit dem schweizerischen Gesamtwert ist. Aus Sicht der FSS weist dies auf eine ungebrochen hohe Belastungssituation bei der Schuleingangsstufe hin.
UNTERSTÜTZUNG IST ENTSCHEIDEND
Auch die wahrgenommene Unterstützung im Schulalltag scheint entscheidend: Wer Unterstützung als ausreichend erlebte, stand der inklusionsorientierten Schule deutlich positiver gegenüber. Hier befand sich Basel-Stadt erfreulicherweise in der oberen Hälfte der Schweiz. Aus Sicht der FSS weist dies darauf hin, dass das auf der Primarstufe frisch umgesetzte Massnahmenpaket für eine Optimierung der integrativen Schule erste positive Wirkungen zeigt.
Weitere Unterschiede zur Gesamtschweiz zeigten sich beim Lernerfolg der gesamten Klasse, welcher in Basel-Stadt tendenziell positiver eingeschätzt wurde. Dies, obwohl die FSS-Mitglieder eine höhere Anzahl an Schülerinnen und Schülern mit attestierten Diagnosen pro Klasse wahrnahmen und im Vergleich zu ihren schweizerischen Berufskolleginnen und -kollegen weniger oft für ihre Profession richtig ausgebildet waren.
BILANZ
Aus Sicht der FSS zeigen die Ergebnisse der GFS-Studie sehr gut auf, in welchen Bereichen die integrative Schule in Basel-Stadt erfolgreich unterwegs scheint und wo sich noch weitere wichtige Handlungsfelder befinden. Die Umfragewerte bieten auch eine geeignete Basis für die schon bald anstehende Evaluation des ersten Massnahmenpakets für die Optimierung der integrativen Schule.